16.05.2010


 

Basketball - Nba

Jones-Comeback: Viel Wirbel, wenig Wirkung

Tulsa (dpa) - Die Halle war ausverkauft, der Medienandrang riesig und Liga-Boss Donna Orender nur ihretwegen eingeflogen - doch die Premiere von Marion Jones als Basketballerin in der nordamerikanischen Frauen-Profi-Liga WNBA wurde alles andere als ein Spektakel.

Mit ihrem Team, Tulsa Shock, verlor die einst schnellste Frau der Welt zum Saisonauftakt gegen Minnesota Lynx mit 74:80. Dabei blieb für das ehemalige Glamour-Girl der Leichtathletik nur die Nebenrolle.

Jones bekam lediglich 3:19 Minuten Einsatzzeit, ihr gelangen weder Punkte noch Rebounds. Ihre einzige nennenswerte Aktion war ein Foul - die Körbe hängen für sie in der besten Basketball-Liga der Welt offenbar noch ein wenig zu hoch. «Es wird ein steiniger Weg für mich, nachdem ich so lange weg war und sich das Spiel so stark verändert hat», lautete Jones erste Erkenntnis.

Dabei war vor der Partie alles wie immer. Nach dem Morgentraining sei sie so nervös gewesen, dass sie nicht schlafen konnte, betonte Jones. Sie sprach davon, die gleichen Schmetterlinge im Bauch zu haben wie vor ihrem Leichtathletik-Wettkämpfen. Und als die 34- Jährige das mit 7806 Zuschauern ausverkaufte BOK-Center betrat, stand sie wie einst in den großen Arenen der Welt sofort im medialen Mittelpunkt, wurde von etlichen Fernsehkameras umringt.

Jones gab an, dass für sie ein «lebenslanger Traum» wahr werde. Vor 13 Jahren hatte sie zuletzt unter Wettkampfbedingungen Basketball gespielt, damals an der Universität von North Carolina. «Make magic» hatte ihr WNBA-Commissioner Donna Orender vor der Partie bei einer Umarmung noch ins Ohr geflüstert. Doch Jones anschließender Auftritt hatte weder etwas Magisches noch war es Zauberei. Zwar trug sie wie zu erfolgreichen Collegezeiten, als sie 1994 die «Tar Heels» zur prestigeträchtigen Landesmeisterschaft geführt hatte, die Rückennummer 20, dennoch saß der prominenteste Profi der Liga zunächst nur auf der Bank. Als Trainer Nolan Richardson sie beim Stand von 2:10 aufs Parkett schickte, blieb sie unauffällig.

Doch für Jones ging es an diesem Abend nicht nur ums Ergebnis, sondern vor allem darum, knapp 20 Monate nach ihrer Haftentlassung wegen Falschaussage vor Gericht im Zusammenhang mit Doping und Scheckbetruges wieder sportlich für Aufmerksamkeit zu sorgen. «Wenn ich sage, dass ich außer mir vor Freude bin, ist das noch untertrieben.» Jones machte jedoch zugleich klar, dass sie sich auf Dauer nicht mit Mittelmaß zufrieden gibt. «Das erste Ziel meiner Reise war es, den Sprung ins Team zu schaffen. Das ist mir gelungen. Jetzt wollen wir versuchen, das Unmögliche wahr zu machen und die Meisterschaft nach Tulsa zu holen. Wir glauben nicht, dass es undenkbar ist.»



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