04.05.2011


 

Motorsport - formel1

Vettel hat Bullen-Crash am Bosporus abgehakt

Istanbul (dpa) - Der tölpelhafte Bullen-Crash am Bosporus belastet Sebastian Vettel längst nicht mehr. Und auch die jüngste Niederlage in Shanghai hat der Formel-1-Weltmeister nach eigenem Bekunden abgehakt.

«Ich kann ja an Dingen, die passiert sind, nichts mehr ändern», sagte Vettel vor dem Großen Preis der Türkei im Interview der Nachrichtenagentur dpa und versicherte, dass er nicht mehr an den Vorjahresunfall mit seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber in Istanbul denke. «Ich konnte daraus lernen», betonte Vettel.

Tatsächlich hat der Titelverteidiger seine Lehren aus jener Kollision im Istanbul Park Circuit gezogen und sich seither keine vergleichbar verhängnisvolle Attacke mit Webber geleistet. Verfolger Vettel war damals in der 40. Runde mit dem führenden Australier so heftig aneinandergeraten, dass er seinen demolierten Rennwagen abstellen musste und 0 statt der fest eingeplanten 18 Punkte holte. Übeltäter war zwar nach einhelliger Meinung Webber, der dem klar schnelleren Deutschen nicht Platz machen wollte, aber das war kein Trost.

Nicht ganz so am Boden zerstört wie unmittelbar nach dem Türkei- Debakel hatte Vettel nach seiner jüngsten Niederlage beim Großen Preis von China gegen McLaren-Rivale Lewis Hamilton gewirkt. Mit zweieinhalb Wochen Abstand konterte der 23 Jahre alte Hesse süffisant die Frage, ob bei ihm nun etwas das Zittern ausbreche: «Na ja, die Frage ist, inwieweit man einen zweiten Platz als Niederlage zählt.»

Vor dem ersten Europa-Rennen am Sonntag zieht der souveräne Spitzenreiter eine positive Zwischenbilanz. «Ich denke, wir hatten einen guten Start in die Saison, aber deswegen dürfen wir uns jetzt trotzdem nicht zurücklehnen, sondern müssen weiterhin Druck machen auf die Konkurrenz und in jedem Rennen unser Bestes geben», sagte er. «Zwei Siege und ein zweiter Platz dürfen sich sehen lassen. Darauf können wir weiter aufbauen.»

Obwohl nach den drei Übersee-Grand-Prix alles für einen Zweikampf zwischen Red Bull und McLaren spricht, hat Vettel weitere Rivalen auf der Rechnung. «Die Saison ist noch lang und da kann noch viel passieren», verwies er auf Fernando Alonso. 2010 hätten viele den Ferrari-Piloten «zwischenzeitlich abgeschrieben». Dann sei Alonso aber nach vorne gekommen und habe beinahe die WM gewonnen. «Deswegen, denke ich, dürfen wir Ferrari nicht aus dem Auge lassen, aber auch Mercedes und Renault sind nicht zu unterschätzen.»

Zumindest in der WM-Wertung droht dem Weltmeister von Alonso, Nico Rosberg, Michael Schumacher & Co vorerst keine Gefahr. Mit 68 Punkten führt Vettel klar vor Hamilton (47), dessen Teamkollegen Jenson Button (38) und Webber (37). Alonso (26) weist als Gesamtfünfter bereits 42 Zähler Rückstand auf.

Zudem gilt der von Technik-Guru Adrian Newey entworfene RB7 trotz einiger Kinderkrankheiten als bester Rennwagen im Feld. Die McLaren sind zwar etwas näher gerückt, fürs Überholen reicht es aber noch nicht. «Auch wenn unser Auto sehr gut ist, heißt es noch lange nicht, dass wir nun nichts mehr tun müssen. Wir müssen auf jeden Fall weiterentwickeln und dürfen nicht auf der Stelle stehen bleiben, die Konkurrenz ist stark», macht Vettel seinen Ingenieuren Druck.

Der Perfektionist versicherte, dass ihm das immer wieder streikende Bremsenergie-Rückgewinnungssystem KERS keine Sorgen bereite. «Ich hatte ja bereits einige Male gesagt, welche Vorteile KERS hat. Wir hatten zwar einige Probleme mit dem System, aber wir haben sehr gute Leute, die daran arbeiten.» Vettel ist fest davon überzeugt, dass er in Istanbul den 82 PS starken Zusatzschub über die 6,6 Sekunden pro Runde voll nutzen kann.



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