14.02.2011


 

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Riskante «Keulen»: Medikamenten-Missbrauch im Sport

Berlin (dpa) - Kleine Pillen - großes Risiko. Nicht nur dauer-dopende Profis, auch tausende Freizeitsportler gefährden durch Tabletten oft ihre Gesundheit - und manchmal ihr Leben. Schnell noch die Schmerztablette vor dem Marathon-Start, richtig aufputschen oder rechtzeitig abführen.

«Renner» wie Aspirin gibt's ohne Rezept in jeder Apotheke, und im Internet bekommt man sowieso alles. Kontrolliert wird bei Volksläufen oder in Fitness-Studios nicht. Im Schatten der Profis können sich Hobbysportler in der Grauzone zwischen Doping und Medikamentenmissbrauch so richtig austoben.

«Da werden manchmal 'Keulen' ausgepackt, die schon in den Medikamentenmissbrauch hineingehen. Viele Läufer werfen das prophylaktisch ein, zum Beispiel Diclofenac. Auch Asthma-Mittel. Dabei bringt das alles nichts, zumindest keine Leistungssteigerung», sagt Jürgen Lock vom medizinischen Stab des Berlin-Marathons in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Jeder Mensch hat einen Risiko-Faktor, aber fast keiner kennt ihn. Vor allem Läufer mit Herz-Kreislauf-Problemen sind gefährdet», erklärt der Experte.

Der 43 Jahre alte Berliner kennt sich aus in der Szene. «Es ist teilweise erschreckend, was man im Internet an Lebensbeichten von Hobbysportlern lesen kann», meint Lock. Bis heute gebe es nur wenige relevante Studien zum brisanten Thema Medikamentenmissbrauch, einige Daten seien zudem mit Vorsicht zu genießen. «Dass jeder zweite Marathonläufer Schmerzmittel einnimmt, ist einfach falsch und kann auch gar nicht belegt werden», versichert der Mediziner. Lock geht davon aus, dass «10 bis 15 Prozent der Marathonläufer Schmerzmittel nehmen. Die sind leicht zu bekommen.»

Harmlos ist die Selbst-Medikamentierung aber keinesfalls. «Ein Grundsatz für Arzneimittel lautet: Keine Wirkung ohne Gegenwirkung. Deshalb sind auch rezeptfreie Arzneimittel nicht per se harmlos», sagt Ursula Sellerberg, Sprecherin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), in einem dpa-Gespräch. «Man kann auch von Nasentropfen oder Abführmitteln abhängig werden», warnt die Apothekerin, die fest davon überzeugt ist: «Die beste Gegenmaßnahme ist Aufklärung.»

Doch nicht jeder ambitionierte Hobby-Athlet lässt sich über gesundheitliche Aspekte beraten. Medizin-Checks oder ärztliche Testate werden nicht verlangt, Kontrollen sind nicht zu befürchten. «Vor dem Berlin-Marathon sind etwa 600 bis 700 Läufer zur Konsultation in unsere Notfall-Sprechstunde gekommen», berichtet Jürgen Lock. Rund 35 000 Hobby-Läufer gingen dann über die klassischen 42,195 Kilometer an den Start.

«Medikamentenmissbrauch im Breitensport verstößt gegen den Grundsatz des Fairplay und gefährdet die eigene Gesundheit», betont Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Angesichts von mehr als 1,5 Millionen Bundesbürgern, die von Medikamenten abhängig sind, haben DOSB, ADAC und die ABDA eine konzertierte Aktion gestartet.

Das Problem Medikamenten-Missbrauch muss stärker als bisher ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden. Am 3. November werden sich Fachleute auf einem Symposium in Berlin treffen. «Freizeitsport soll natürliche Fitness und Lebensfreude vermitteln», sagt Bach, «selbstverordnete Schmerztabletten, dubiose Wunderpillen aus dem Internet oder willkürlich eingesetzte Asthmasprays haben hier nichts zu suchen.»



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