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Kolumbiens Fußball im Abseits
Bogotá (dpa) - Ausbleibende Spielergehälter, leere Kassen, Streikdrohungen: Der Profi-Fußball in Kolumbien steckt tief in der Krise. Doch nach dem Willen der FIFA soll das Land 2011 die U 20-WM ausrichten.
Eine Karikatur beschreibt den Zustand des kolumbianischen Profi-Fußballs treffend: «Chef, ich glaube, wir können heute nicht trainieren.» «Warum denn nicht», fragt der Trainer seinen Spieler. «Weil wir den Ball aufgegessen haben», antwortet der ausgemergelte und halbverhungerte Fußballer verschämt. Die sarkastische Darstellung auf der Titelseite einer Zeitung in Bogotá sorgte zwar für Heiterkeit in dem südamerikanischen Land. Zugleich aber zeugt sie von der schlimmsten Krise, die der Fußball seit der ersten Profi-Meisterschaft 1948 derzeit durchmacht. Grund sind wirtschaftliche Schwierigkeiten, in denen fast alle Clubs stecken.
Spieler von so bekannten Vereinen wie América de Cali, Deportes Quindío, Once Caldas und Deportivo Pereira haben deshalb schon wiederholt mit Streik gedroht. Die aktuelle Meisterschaft zeichnet sich durch ein besonders niedriges spielerisches Niveau aus. Die Fans quittieren die miesen Leistungen, indem sie den Stadien einfach fern bleiben und die Einnahmen der Clubs so weiter schmälern.
Die Lage ist inzwischen so dramatisch, dass kürzlich mehrere Spieler von Deportivo Pereira versicherten, die Ohnmacht eines Abwehrspielers während des Trainings sei Folge von Hunger gewesen. Der Mann habe an dem Tag nicht gefrühstückt, was nicht am fehlenden Appetit gelegen habe, sondern Folge von Geldmangel gewesen sei.
Mag sein, dass das etwas übertrieben war, aber sogar Spieler von América de Cali, während der 1980er Jahre Stolz der Fußball-Nation, haben versichert, seit Monaten keine Gehälter mehr bekommen zu haben. Sie müssten sich deshalb schon im Bekanntenkreis Geld borgen und um Mietaufschub für ihre Häuser betteln.
Der faktische wirtschaftliche Zusammenbruch mehrerer Clubs veranlasste die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos, eine Gesetzesnovelle im Parlament einzubringen. Demnach sollen die Clubs, die sich heute oft im Besitz einiger weniger Unternehmer befinden, in Aktiengesellschaften umgewandelt werden. Über eine Vielzahl von Aktionären sollten die Vereine nicht nur «demokratisiert» werden, sondern auch wieder zu Geld kommen, begründete Innen- und Justizminister Germán Vargas Lleras die Initiative.
In den 1980er und 1990er Jahren sprudelte eine ganz andere Geldquelle für den Profi-Fußball: Die Drogenkartelle investierten kräftig, und der kolumbianische Fußball blühte auf. Aber es war eine Scheinblüte, und seit der Zerschlagung der großen Kartelle ist diese illegale Geldquelle versiegt. Heute sind die Club-Kassen ebenso leer wie die meisten Stadien. Dazu kommen jede Menge Skandale etwa wegen Unregelmäßigkeiten in der Buchführung oder Rückständen nicht nur bei den Spielergehältern, sondern auch bei der Abführung ihrer Sozialversicherungsbeiträge.
Am härtesten traf es deshalb den früheren Spieler Diego Cortés, der 2006 noch mit Deportivo Pasto Landesmeister geworden war. Seit einem Unfall am Ende jenes Jahres ist er querschnittsgelähmt. Nun musste er erfahren, dass er keinen Anspruch auf Invalidenrente hat, weil seine Arbeitgeber in Pasto und bei Deportes Quindío die Beiträge für ihn nicht gezahlt hatten.
«Es ist die Geschichte eines angekündigten Todes. Der kolumbianische Fußball muss unbedingt seine Struktur ändern», klagt der frühere Abwehrspieler und heutige Rechtsanwalt Carlos González Puche, Präsident der Vereinigung der kolumbianischen Profi-Fußballer. Nach seinen Angaben sehen die Statuten des nationalen Verbandes Colfútbol Strafen für Clubs vor, die ihren wirtschaftlichen Verpflichtungen ihren eigenen Spielern gegenüber nicht nachkommen.
Aber Papier ist bekanntlich geduldig. «In 62 Jahren kolumbianischen Profi-Fußballs sind gegen keinen einzigen Club Strafen verhängt worden», betont González Puche. Mitten in diesem Schlamassel listet der Verband gerade die Stadien auf, in denen im kommenden Jahr die U-20-Weltmeisterschaft ausgetragen werden soll. Dies hatte der Weltverband FIFA entschieden, obwohl die Alarmglocken im kolumbianischen Fußball immer lauter läuten.
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