07.07.2010


Fussball - Wm

Deutschland fiebert WM-Halbfinale entgegen

Berlin (dpa) - Wenige Stunden vor dem Halbfinale Deutschland - Spanien waren Millionen Menschen in der ganzen Republik im Fußball-Fieber. Bereits am frühen Nachmittag versammelten sich auf den Fanmeilen die ersten Zuschauer.

«Es füllt sich langsam», sagte eine Sprecherin der bundesweit größten Party- Zone auf der Straße des 17. Juni in Berlin. Dort werden bis zum Abend mehrere hunderttausend Menschen erwartet. In den Lebensmittelläden deckten sich Käufer für einen langen Fußballabend mit Getränken, Würstchen und Knabbereien ein. In Gaststätten sicherten sich erste Besucher die besten Plätze vor den Fernsehern.

Im Internet ließen Sportbegeisterte ihren Gefühlen und Voraussagen freien Lauf. Bei Facebook und Twitter waren die Optimisten, die Deutschland bereits im Finale gegen Holland am 11. Juli sehen, in der Mehrheit. Bundestrainer Joachim Löw freute sich über die Begeisterung der Fans daheim. «Man hat den Eindruck, es ist sogar noch mehr los als 2006», sagte Löw der Nachrichtenagentur dpa im deutschen WM- Quartier.

Die deutsche Prominenz aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport setzt auf einen deutschen Triumph. «Bei aller Freundschaft zu Spanien werde ich ganz stark darauf setzen, dass die Spanier uns nicht verübeln werden, wenn wir ins Finale kommen und uns dann auch die Holländer hoffentlich nicht verübeln, wenn wir das Finale gewinnen», sagte der neue Bundespräsident Christian Wulff, der sich das Spiel in der deutschen Botschaft in Paris ansehen wollte.

Michael Ballack sieht aus der Ferne ebenfalls voller Optimismus zu. Nach der Rückreise aus Südafrika setzt der verletzte Kapitän seine Rehabilitation in Luxemburg fort. «Wir haben alle Chancen gegen Spanien, und die Mannschaft ist voller Zuversicht», sagte Ballack.

Der Psychologe Andreas Gerards würdigte die Rolle des Internets für gemeinsame Bewältigung der Spannung vor dem Spiel. «Der Austausch mit Gleichgesinnten hilft dabei, dass man die Unsicherheit nicht alleine schultern muss», erklärte der Wissenschaftler vom Leibniz- Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) der Universität Trier. Im Internet sei es einfach, die eigene Gefühlswelt nach außen zu tragen.

«Heute fliegt Spanien in einer Zitterpartie mit 2:1 und am Sonntag geht Holland zurück in den Wohnwagen (3:0)», twittert «tobishome». Und in einer Facebook-Gruppe spottet ein Nutzer: «Holland hat die 3. Vizeweltmeisterschaft geschafft!»

Das ist auch für Stephanie wichtig, die in der Facebook-Gruppe «WM 2010 - Mein Herz schlägt schwarz, rot, gold!» ihre Gefühlslage beschrieb: «Los Jungs, lasst uns glücklich und stolz mit euch sein und auch mit euch richtig feiern dürfen.»

Mehr als 400 000 Fans haben sich unter dem schwarz-rot-goldenen Herz zur Nationalmannschaft bekannt. Kleinere Gruppen tragen Namen wie «Sommermärchen 2010» oder «Für eine Schul- und Arbeitssperre während der Fussball WM 2010 in Südafrika!» Und knapp 150 000 Nutzer wollen die «Spanier nach Hause schicken».



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