Sommersport - Leichtathletik
Achterbahnfahrer Mohr krönt Saison der Auf und Abs
Brüssel (dpa) - Die Leichtathletik-Saison 2010 muss Malte Mohr vorkommen wie eine Achterbahnfahrt. Sein Sieg und der persönliche Rekord von 5,85 Metern beim Diamond-League-Finale in Brüssel bescherten dem Stabhochspringer noch einmal einen Höhepunkt.
Nach den Abstürzen der vergangenen Wochen hatte damit kaum jemand mehr gerechnet. «Natürlich bin ich glücklich über meine Bestleistung, vor allem, weil ich dadurch hier gewinnen konnte», sagte der Münchner. Gegner wie Europameister Renaud Lavillenie (2.) oder Olympiasieger Steven Hooker (5.) geschlagen zu haben, war ihm noch wichtiger als sein bester Sprung. Das war immerhin eine kleine Entschädigung dafür, dass er bei der EM in Barcelona in der Qualifikation gescheitert war.
Mohr leistet sich in diesem Jahr Auf und Abs wie kein anderer deutscher Athlet. Bei der Hallen-WM in Doha hatte er die erhoffte Medaille noch gewonnen (Silber). Aber auch bei den internationalen Meetings reichten die Ausschläge vom Sieg beim Diamond-League- Wettbewerb in Shanghai bis zum achten Platz vor einer Woche beim ISTAF in Berlin.
«Ich war nicht überrascht von seiner Performance», sagte der in dieser Saison überragende Franzose Lavillenie über Mohr. «Er hatte im Frühjahr schon einige starke Wettkämpfe und war nach der Enttäuschung bei der EM sicher besonders motiviert. Ich dagegen werde langsam ein bisschen müde. Mir war klar, dass er am Ende der Saison noch einmal zurückkommt.»
Das brachte Mohr nicht nur 10 000 Dollar (7900 Euro) Tagessieg-Prämie und den zweiten Platz in der Diamond-League-Gesamtwertung ein - sondern auch den psychologischen Vorteil, seine Extrem-Saison doch noch mit einem positiven Gefühl beenden zu können. «Ich habe mit meinem Finger schon einmal Richtung London gezeigt», sagte er.
Die Olympischen Spiele 2012 und die WM 2011 in Südkorea sind seine großen Ziele. Und Mohr ist mit 24 Jahren noch jung genug, um aus der Unbeständigkeit der vergangenen Monate lernen zu können. Sein Konkurrent Lavillenie sieht genau darin den Schlüssel zum Erfolg. «Die nächsten Jahre werden noch schwerer, weil sich auch Steven Hooker zurückmelden wird. Malte muss nächste Saison konstant auf diesem Level springen», sagte er.
Der fast zweieinhalb Stunden dauernde Wettkampf in Brüssel war noch einmal eine Art Spiegelbild des gesamten Jahres. Mohr leistete sich zunächst einen Fehlversuch über 5,45 Meter und stand auch bei 5,75 knapp vor dem Aus. Nachdem Lavillenie mühelos 5,80 Meter vorgelegt hatte, schaffte der deutsche Meister im dritten Versuch diese Höhe ebenfalls und überbot seine bisherige persönliche Bestmarke um fünf Zentimeter.
Das konnte an diesem Abend nicht einmal der erfolgsverwöhnte Franzose mehr kontern. Der 23-Jährige tröstete sich mit seinem Gesamtsieg in der Diamond League, der nach seinen Erfolgen in Oslo, New York, Lausanne und Paris allerdings schon vorher festgestanden hatte.
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