02.09.2010


 

Sommersport - Leichtathletik

Sprint-Gold mit Folgen: Schöner Stress für Sailer

Split (dpa) - Die Sponsoren stehen Schlange, das Handy klingelt pausenlos, ihr Berater ist im Dauerstress: Die Goldmedaille von Barcelona hält Europas neue Sprintkönigin Verena Sailer mächtig auf Trab.

«Der 29. Juli hat mein Leben nicht sehr verändert - aber es ist einfach viel mehr los. Ich hänge ziemlich viel am Handy, am Telefon, es gibt etliche Anfragen. Ich werde zu Events eingeladen, wo früher keine Einladungen kamen», sagt die 100-Meter-Europameisterin in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Noch drei Wettkämpfe - dann kann Deutschlands schnellste Frau ihre schön stressige EM-Saison abhaken. Im Oktober, wenn die bekannteste Leichtathletin der MTG Mannheim 25 Jahre alt wird, beginnt schon das Training für das WM-Jahr 2011. Doch noch ist es nicht so weit. Als Europameisterin darf Verena Sailer beim Continental Cup (bis 2006 Weltcup) im kroatischen Split starten.

«Ich freue mich drauf. Schließlich findet so ein Weltcup nur alle vier Jahre statt. Natürlich bin ich nicht mehr so frisch wie vor der EM», gibt Sailer zu. Sie gehört zu den sieben Deutschen, die im Poljud-Stadion für die Europa-Auswahl auf Punktejagd gehen.

Die Leichtathletin will in Split ihren Spaß haben. Eine Zeit hat sie «nicht im Kopf» - aber ein Ziel schon: «Ich will einen guten Lauf hinlegen. Ich weiß ja, gegen wen ich antrete und wo ich stehe: In der Mitte ungefähr», sagt die 11,10-Sekunden-Sprinterin und lacht.

Ihre Rennen läuft sie solo, die vielen Termine und Anfragen kann Verena Sailer inzwischen nicht mehr allein bewältigen. Zum ersten Mal hilft ihr nun ein erfahrener Marketing-Mann: Der gebürtige Bremer Marc Kosicke. «Man braucht ja auch Beratung», meint die Sportmanagement-Studentin im 5. Semester, «ich hab' gemerkt, dass ich das allein nicht mehr so hinkriege.»

Rund 20 Anfragen von potenziellen Sponsoren hat es seit der EM gegeben, erklärt Kosicke, davon sind fünf in der «Wiedervorlage» - also interessant für weitere Verhandlungen. Doch Gold einfach so zu versilbern, das ist in der Leichtathletik ein Problem. Selbst Sprint- Stars sind da in punkto Vermarktung keine Selbstläufer. «Sponsoring ist kein Wunschkonzert», erklärt der Marketing-Experte.

Nun ist der Berater gefragt, schließlich hat Verena Sailer nach Meinung Kosickes «ein hohes Potenzial» für Vermarktung. «Sie ist die schnellste Frau Europas, sie ist intelligent und studiert, sie macht alles gründlich - und sieht nebenbei noch gut aus», sagt Kosicke. Werbewirksam wäre alles, «was mit Tempo, Leichtigkeit, Geschwindigkeit zu tun hat». Auch aus dem Bereich Kosmetik und Mode gab es schon einige Anfragen.

«Verena hat bei allen Entscheidungen das letzte Wort», versichert Kosicke. «Aber eins ist klar: Es sind keine Homestorys zu erwarten - und sie wird sich auch nicht ausziehen.» Der Sport - das Training und die Wettkämpfe - müssen im Mittelpunkt stehen. «Erfolge bringen nur etwas, wenn sie nachhaltig sind. Es nutzt doch nichts, wenn sie ein Mal Europameisterin wird und dann nur noch hinterherläuft.»



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