Sommersport - Tennis
Kleines Tennis-Märchen für Mayer - Ziel Davis Cup
Hamburg (dpa) - Am Ende des kleinen Sommermärchens auf Sand versagten die Beine und der Kopf war leer. Doch für die Hamburger Tennisfans war Florian Mayer der neue Liebling des wieder erwachten Traditionsturniers.
Mit La-Ola-Wellen und Sprechchören ins Halbfinale der German Open am Rothenbaum getragen, genoss der schüchterne Bayreuther die Unterstützung in vollen Zügen. «Ich habe hier keinen Druck gespürt, alle standen hinter mir», erzählte der 26-Jährige nach dem 6:7 (6:8), 4:6 in der Vorschlussrunde gegen Andrej Golubjew aus Kasachstan: «Außerdem sind meine Freundin und meine Mutter hier.»
Am Ende half kein Klatschen und Anfeuern mehr, Mayer musste sich fast ohne richtigen Widerstand ergeben, so sehr zwickte die Leiste und taten die Füße weh. «Ich war vor Wimbledon vier Wochen außer Gefecht. Man hat gesehen, wie fit ich wieder bin, doch jetzt bin ich einfach platt», sagte der nach den Strapazen der letzten Wochen total erschöpfte Bayer.
«Er hat hier fantastische Matches gespielt», sagte Davis-Cup- Kapitän Patrick Kühnen, der an Mayer als zweitem Einzelspieler neben dem gesetzten Philipp Kohlschreiber (Augsburg) für das Abstiegsspiel vom 17. bis 19. September gegen Südafrika nicht vorbeikommen wird. Mayer reist mit großem Selbstvertrauen aus dem Norden ab, vor allem der Drei-Satz-Kraftakt im Viertelfinale gegen den ehemaligen Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero hat ihm jede Menge Respekt in der Tennis-Szene eingebracht.
«Auch Ferrero hätte nach unserem Spiel nicht mehr gewonnen», behauptete Mayer und demonstrierte das dazugewonnene Selbstbewusstsein. Besonders liebgewonnen haben die Tennisfans seine etwas unorthodoxe Spielweise mit der eingesprungenen beidhändigen Rückhand, die unter den 8000 Zuschauern auf dem Centre Court Beifallsstürme auslöste. «Die Erfahrung hier und auch in der letzten Woche in Stuttgart gibt mir Selbstvertrauen für den Rest des Jahres», sagte die Nummer 54 der Welt - mit den 180 Punkten von Hamburg wird er weiter nach oben klettern im ATP-Ranking.
Das Preisgeld von 50 000 Euro ist auch nicht zu verachten, nach dem Halbfinale 2005 und 2006 im polnischen Sopot war es sein größter Erfolg. Der Davis-Cup-Spieler, der die Asche eigentlich gar nicht so mag, wird sich noch oft an die sonnige Woche erinnern. Besonders, wenn es zu den großen Turnieren in Übersee geht, wo er sich als Nobody neu beweisen.
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