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Europa ist nicht genug: Boll will Olymp erklimmen
Danzig dpa) - Im Vitrinenschrank bei Mutter Gudrun und Vater Wolfgang Boll in Höchst im Odenwald wird der Platz langsam knapp. Nach seinen EM-Titeln Nummer 14 und 15 in Danzig sind es bereits 20 EM-Medaillen, die die Eltern von Timo Boll für Europas Tischtennis-König aufbewahren.
Doch Europa ist für Boll nicht genug. Er will in London 2012 den Olymp erklimmen - und muss dazu die Chinesen aus dem Weg räumen. «Die Chinesen, das ist ein anderes Niveau. Ihre Schlagstärke ist noch härter», sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. Dennoch war er von der Qualität des EM-Endspiels zwischen Boll und dessen Düsseldorfer Clubkollegen Patrick Baum (4:1) sehr angetan. «Es war ein richtig schönes Finale mit hochklassigen Ballwechseln. Timo wurde vor allem körperlich voll gefordert. Patti hat ihm auch alles abverlangt», sagte Roßkopf. «Das war wieder ein Fortschritt.»
Für den Rekord-Europameister, der in der zweiten Runde beim 4:2 gegen den Weißrussen Pawel Platonow die größten Probleme hatte, war der fünfte Einzel-Titel das Ergebnis harter Arbeit. «Die Siege sehen vom Ergebnis deutlicher aus, als sie sich für mich angefühlt haben», urteilte der WM-Dritte. Er konnte sich wie häufig bei Turnieren kontinuierlich steigern und wird sich auch diesmal nicht auf dem EM-Erfolg in Danzig ausruhen.
Eine Eigenschaft, die zu seinen großen Stärken zählt und ihn für die Chinesen zu einer Bedrohung macht. Für Boll und den Trainerstab des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) soll jetzt der World Team Cup im November in Magdeburg die nächsten Erkenntnisse liefern, wie die Leistungen mit Blick auf die Team-WM 2012 in Dortmund und das Olympia-Turnier in London optimiert werden können. «Das Turnier ist sehr gut besetzt, Südkorea und China mit ihren stärksten Spielern dabei», kündigte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig an.
Doch zunächst hat Boll einen Tag nach dem EM-Sieg eine einwöchige Promotion-Tour für das Buch «Timo Boll: Mein China» gestartet. In Europa ist der Regent erfolgreich und unantastbar, in Asien ist er bekannt und beliebt. «Es ist keine typische Biografie, sondern eher ein kleiner Reisebericht, der viele Anekdoten erzählt. Wer sich für mich, für China oder für Tischtennis interessiert, kann gerne mal einen Blick reinwerfen», warb Boll auf der DTTB-Homepage in seiner typisch bescheidenen Art für das Buch des Autors Friedhard Teuffel.
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